Montag, 13. August 2012

Gedanken über das Schreiben

Ich dachte mir, nach sage und schreibe 5 Posts wäre es mal Zeit für etwas Abwechslung ;) . Also probiere ich mal etwas Neues aus. "Gedanken über das Schreiben"... als Hobby-Schreiberling sicherlich ein interessantes Thema, zum Vor-sich-hin-philosophieren. Das habe ich heute mit euch vor. Hier ist die ganze Zeit natürlich nur vom kreativen Schreiben die Rede. (Ich entschuldige mich schon einmal im Voraus dafür, das Wort 'schreiben' inflationär benutzt zu haben)
Habt ihr eine Meinung zu dem, was ich hier sage? Oder habt ihr selbst noch weitere "Gedanken über das Schreiben"? Wenn ja, ist es ein Befehl, all das in die Kommentare zu posten! ;)
Inspiriert zu diesem Blogeintrag wurde ich durch drei kleine Zeilen auf der Website meines Lieblingsautors, wo er von sich selbst erzählt und schließlich, nur als Randnotiz, klärt, warum er schreibt.

Die nach außen hin wichtigste Frage ist natürlich: Warum schreibe ich? Allerdings ist diese wirklich nur nach außen hin wichtig, denn zumindest ich versuche mir die Lust aufs Schreiben nicht selbst zu erklären. Es liegt wohl einfach daran, dass Schreiben das abwechslungsreichste Hobby ist, das es gibt. Beschränkungen gibt es kaum, außer Formsachen und Kritiker. Aber was ich schreibe, inhaltlich, das bleibt vollkommen mir selbst überlassen. Vorausgesetzt, ich schreibe für mich selbst. Wenn ich kommerziellen Erfolg mit meinem Werk erreichen will, sind mir an dieser Stelle natürlich noch mehr Grenzen gesetzt. Das spielt für einen Hobby-Schreiber allerdings keine Rolle.
Inhaltlich gibt es also keine Grenzen. Ich kann schreiben, um meine Gedanken zu ordnen. Kopfkino schriftlich festhalten, erotische Fantasien, oder wie ich den Nachbarn mit Pflanzenschutzmittel im Morgenkaffee ermorde... nur als Beispiel ;) . Ich kann aber auch schreiben, um wirklich etwas zu schaffen, eine surreale Welt, eine Erweiterung oder Abbildung der Realität. Das setzt meist voraus, dass ich ein Publikum habe, denn mir selbst bringt das nicht viel.

Nachdem wir die Frage nach dem "Warum" geklärt haben, die Frage nach dem Grund... da bleibt die Frage nach dem Ziel. Was habe ich vom Schreiben? Will ich anderen etwas näherbringen? Will ich mir vielleicht sogar mein eigenes Ich näherbringen? Was seltsam schizophren klingt, macht eigentlich nur Sinn: Jeder Autor legt etwas von sich selbst in das, was er schreibt. Nehmen wir Tolkien. Er ließ auf den Grabstein seiner Frau, unter ihren Namen, Lúthien schreiben. Eine Elbenfrau seiner Erzählung, die sich in den sterblichen Beren verliebt hatte. Beren stand nach seinem Tod auf dem Grabstein Tolkiens.
Schreiberlinge verbinden also definitiv immer etwas mit dem, was sie schreiben. Und sei es nur Hass. Man muss nicht unbedingt ein Herz für die Geschichte haben, die man schreibt, wenn man Beispielsweise zu einer Fortsetzung einer eigentlich beendigten Story genötigt wird. Wo wir beim nächsten wichtigen Aspekt wären, der sich diesmal nicht als Frage gestaltet:

Die Einflüsse von außen. Sie können sich auf verschiedene Arten gestalten, verschiedene Abstufungen des Grauens. Grundsätzlich sei gesagt, dass jede Berührung von "Schreiben" und "Kommerz" nur zu Verbrennungen dritten Grades führen kann. Wenn man anfängt, Storys nach berechnetem Erfolg zu schreiben statt nach eigenem Herzen, dann wird alles obige hinfällig. Überhaupt die Leidenschaft Schreiben wird dadurch relativiert.
Und man verstehe mich nicht falsch: Es ist absolut großartig, wenn jemand ein Entgelt für ein hervorragendes Werk erhält, in das er viel von seiner Zeit und seinem Herzblut investiert hat. Nur leider lässt sich natürlich auch in der Literaturszene nicht vermeiden, dass sich Trends bilden, was an sich auch nicht schlimm wäre. Wenn man an Trends nicht Erfolg berechnen könnte. Die Frage ist nur, was diese Erkenntnis einem nun bringt. Die Antwort ist: Gar nichts. Trendbildung, Berechnung und Werke mit niederen Motiven lassen sich natürlich nicht vermeiden, erst recht nicht von den Schreibern selbst, die mit ihren Schriften doch erst für die Bildung von Trends verantwortlich sind.
Kommen wir zu anderen Einflüssen von außen: Kritiker! Wem, der schreibt, läuft es nicht gerade kalt den Rücken runter? Ich persönlich, und da kann ich wirklich nur für mich selbst sprechen, finde es nicht schlimm, wenn Formsachen kritisiert werden, denn dabei handelt es sich meist wirklich um Tipps. Wenn einem ein Kritiker zum Beispiel das Einbauen von kürzeren Sätzen rät, ist das doch nur hilfreich. Und der Stil ist doch nicht wirklich das, in dem unser Gefühl drin steckt. Schlimm wird es erst, wenn die Story oder der Inhalt kritisiert wird. Erstens, weil das in allen Fällen, immer, immer, immer nur Geschmackssache ist. Eine stupide und eintönige Story ist auch nicht unbedingt schlecht, sie steht einfach nur weniger im Vordergrund.
Aber was hilft uns "Die Story gefällt mir nicht", "Irgendwie hatte ich eine andere Entwicklung erwartet" oder "Die Charaktere gefallen mir nicht"? Richtig, es hilft uns gar nicht! Kritiker, Finger weg von den Storys, außer es ist wirklich nicht Geschmackssache. Inhaltliche Wiederholungen zum Beispiel, die kann man kritisieren (sobald es so massiv wird, dass die "Stilmittel-Ausrede" nicht mehr hilft ;] ). Oder wenn ein Charakter wirklich gar nicht ausgebaut ist oder sein Verhalten sich widerspricht. Das Problem ist nur, dass Kritiker meist nicht wissen, wo die Geschmacksfrage anfängt (Autoren natürlich nicht anders). Da gibt es natürlich nur Kommunikation, aber derjenige Schreiber, dem ich gerade etwas Neues erzähle, der möge erst einmal gefunden werden.

Was hat mein Schreiben für Konsequenzen? Sehr wohl. Das geschriebene Wort kann großen Einfluss auf die Realität nehmen, in den Köpfen der Leser. Auf das Frauen- bzw. Männerbild, auf Ideale und nicht zuletzt auf Handlungen. Deshalb sollte ein Autor vorsichtig sein und beobachten, inwiefern er Meinungsbildung betreibt. Und natürlich, inwiefern ihn seine Erzähl-Technik befähigt, dem Leser Propaganda schmackhaft zu machen. Da beim Schreiben alles möglich ist, hat der Autor natürlich auch die Möglichkeit, die Beweise für die eigenen Behauptungen selbst zu erdichten.
Durch das Schreiben kann ich im Ansehen von anderen steigen und fallen, neue Freunde finden oder welche verlieren. Aber so ist das mit allen Handlungen im Leben, also sehe ich keinen Sinn darin, das hier aufzurollen.

Zum Schluss bleibt mir zu sagen: Schreiben und die dazugehörigen Gedankenwelten sind weitaus komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Man haut nicht nur in die Tasten und schreibt Seite für Seite eine Geschichte, nein, man strickt ein Gebilde aus Ideen, Gefühlen und auch Teilen von sich selbst.

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